Gleich zu Beginn: Ich halte nichts davon, mich darüber zu informieren, wessen Haufen wann wie groß und schwer war, nach dem er sich Erleichterung auf dem Stillen Örtchen verschafft hat.
Das war hoffentlich nur die Ausgeburt meine grenzenlosen Fantasie, denn wer veröffentlicht schon freiwillig Details seiner Klositzung in aller Öffentlichkeit? Puh, das wäre echt dumm und ekelhaft. Aber ich bin mir sicher, einer hats schon mal getwittert *lach*
Aber ich tippe darauf, das die breite Masse genau diese Themen von Twitterern erwartet und/oder hat. Zugegeben, die Möglichkeit, kostenlose RSS-SMS im Internet via Rechner und mobilen Endgeräten zu verschicken, ist für jüngere PC (okay auch Mac)-Besitzer verlockend.
Ich trete jetzt mal einen Schritt zurück und schaue mir Twitter aus einiger Entfernung und möglichst neutral an, um Features und ggf. Schwachstellen und dieser Technik zu beleuchten. Und Du bist eingeladen! Scheinbar ist es ja ansteckend, denn wer sich das Wachstum von Twitter auschaut, sollte beeindruckt sein. 1000% Wachstum würden sich viele Web-Applikationen wünschen - da hinkt sogar Facebook hinterher…
Jeder Hype in Ehren, aber was ist nun wirklich dran?
Die Grundlagen
Schon mal getwittert? Dann kannst Du diesen Abschnitt überspringen ;)
Twitter wird mit allerhand verglichen: Mit kurzen RSS-Feeds oder zum Beispiel SMS. In der Tat kann man zusammenfassen feststellen: Twitter ist ein Mix der beiden Technologien. Die Textmitteilungen, die man Absetzen kann, sind auf 140 Zeichen beschränkt - meist verlinken diese über einen Kurz-URL Service auf eine ausführliche Nachricht im Web. Diese Beschränkung ist künstlich und gewollt.
Zusätzlich ist eine Community-Funktion verbaut: Twitter-Mitglieder können unter einander Tweets (also die Mitteilungen eines Users) abbonieren. Bei Twitter heisst das “Follow” (engl. für “folgen”). Alle Tweets (eigene und jene, denen man folgt), werden zu einem Gesamt-Tweet zusammen gefasst.
Über Clients im Web oder auf dem eigenen Rechner kann man seinen Tweet (im Prinzip seine eigene Newszusammenstellung) abrufen. Der wird aktualisert, sobald man selbst oder jemand dem man folgt, etwas twittert. Die Darstellungsweise des getwitterten Inhaltes ist von Client zu Client verschieden. Manche bereiten die Inhalt analog zu einem Instant-Messenger in Gesprächsform auf (das Antworten auf Tweets ist durch eine bestimmte Syntax auch möglich) oder bilden den Twitter-Inhalt einfach in Protokollform ab. Natürlich gibt es auch Multiprotokoll-Clients, die mehrere Protokolle und Communities wie Facebook im Blick haben.
Ähnlich wie bei RSS-Feeds funktioniert auch der Abruf von Tweets via HTTP. Das Applikationsprotokoll ist offen und über eine API von verschiedenen Programmiersprachen aus nutzbar.
Binärdateien werden übrigens wie bei RSS-Feeds nicht direkt übertragen, sondern können lediglich verlinkt werden.
Sinnlosigkeit vs. Nutzen
Die Entwickler von Twitter fordern tatsächlich Ihre Nutzer auf: “Sagt uns, was Ihr gerade macht…” Natürlich hat die Gruppe von Teens, Kids und verspielten sonstigen Usern diesen Ansatz dankbar aufgegriffen und unmissverständlich begonnen, ihr Privatleben schriftlich auf Twitter zu dokumentieren. In aller Öffentlichkeit, versteht sich. Die Party-Pics liegen bei StudiVZ und Wer-kenn-wen (bewusst nicht verlinkt), der Lebenslauf bei Xing (bewusst verlinkt), die beliebtesten Freizeitziele bei Qype (ätsch, auch verlinkt).
Über Communities hatte ich mich ja bereits vor einem Jahr schon mal ausgelassen… Mir ist nach wie vor unverständlich, wieso viele ihr komplettes Privatleben in die Öffentlichkeit tranferrieren - freiwillig.
Wie kann man Twitter aber sonst noch verstehen? Als einfache, schnelle Methode, Nachrichten zu verbreiten. Ein gutes Beispiel sind TweetBots. TweetBots werden z.B. dazu verwendet, Informationen im Internet zusammeln und als Tweet rauszublasen.
Ich habe gleich 3 TweetBots abboniert:
- Neuigkeiten aus meiner Stadt von Qype
- Neuigkeiten aus der lokalen Presse
- Infos lokaler Gastronomien
Gepaart mit einem schlanken und unauffälligen Client (Pwitter; Das Vogelei hängt nur als Menulet neben meiner Mac-Uhr und postet über Growl) weiß ich also über alles aus meiner Stadt bescheid. Informationen, die mich nicht interessieren, sehe ich, aber ignoriere sie.
Ich nutze Twitter also als Schnell-RSS - für kurze Informationen, die mir kein RSS-Feed-Abo wert sind. Ausserdem kann man mit Twitter Newsletter oder Notification Mails ersetzen. Applikationen können also Informationen automatisiert in einen Tweet schieben.
Natürlich ist wichtig, das man sich bewusst ist, das alle Informationen auf Twitter gefunden und von jedem gelesen werden können. Zwar können viele Clients Direkt-Antworten, die nicht an den Leser direkt sind ausblenden, geladen und gespeichert werden sie jedoch trotzdem.
Praktische Anwendungfälle
Für Applikationen bietet sich Twitter an, um unsensible Daten an Clients zu posten. Da muss man aber mit offenen Augen durch die Welt gehen: Wer z.B. seine Serverupdates quer durch die halbe Welt twittert, verrät Angreifern schnell ein mögliches Ziel und Schwachstellen wie nicht installierte Pakete gleich mit dazu.
Gerade bei Applikationen sollte man vorsichtig sein: Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, muss nicht unbedingt jeden erfreuen. Vielleicht möchte ja ein Benutzer der Applikation gar nicht, das seine CMS-Internen Nachrichten in Twitter gepostet werden? Kann er das Feature dann abschalten?
Twitter als kommerzielle PR-Maschine funktioniert nur so lange, bis Nutzer mit Informationen zugeschüttet werden und die Übersichtlichkeit verlieren. Immerhin hat man die Möglichkeit, gezielt auswählen zu können, was interessant ist. Als Mechanimus für private PR taugt Twitter grundsätzlich nur als Sprungbrett. Gute PR ist von schlechter PR so gut trennbar, wie eine Apfelsortet von der Nächsten = eine Geschmacksfrage und deshalb untrennbar.
Fazit
Twitter ist eine feine Übertragungsmöglichkeit unsensibler Daten und Informationen und eine prima Alternative bzw. Ergänzung zu RSS-Feeds und Newslettern.
Ein großes Problem für eine professionelle Nutzung sehe ich in der Mitlesbarkeit von Tweets. Man kann zwar geschlossene Gruppen definieren (Die Folgenden muss man zunächst akzeptieren) - trotzdem sollte man sich bewusst sein, das alle Informationen nicht auf dem eigenen Server liegen (wie etwa RSS-Feeds), sondern bei einem Provider gespeichert sind, auf dessen Wohlwollen man angewiesen ist.
Wenn man wissen will, welche Perücke sich der Nachbar heute aufgesetzt hat und welche Farbe das Höschen von der Dame gegenüber hat, KANN das via Twitter erfahren. MUSS aber nicht - Gezwungen wird nämlich keiner.
Ich nutze Twitter gerne: Die Tweets denen ich folgen möchte, suche ich sorgsam aus. So, dass es nicht zu viele werden. Im Gegenzug habe ich Newsletter abbestellt und RSS Feed aussortiert - durch meine schlanken und unauffälligen Twitter-Client kann ich Uninteressantes vorbeiziehen lassen und beachte nur für mich wesentliche Mitteilungen.
Übrigens: Die 140 Zeichen empfinge ich als angenehm übersichtlich. Wer nur wenige Zeichen zum Texten zur Verfügung hat, macht sich um so mehr Gedanken über den Inhalt. So kann ich schon auf einen Blick einschätzen, ob eine Information für mich wirklich wichtig ist.





