Leere. Gähnende Leere. So leer, das ich wirklich gähnen muss. *gääääääääääähn* Tschuldigung, aber ich hab mir extra die Hand vor den Mund gehalten ;)
Eigentlich müsste ich vor Kreativität und Innovationslust explodieren. Als Entwickler, als Gestalter, als Mensch. Schicken PHP Code schreiben. Elegante Menüs entwerfen. Morgens mit Élan aus dem Bett springen, beim Brötchen holen alten Omis über die Straße helfen, andere Menschen mit wahllosen Heldentaten beeindrucken. Hui. Wenn ich so drüber nachdenke, kann Kreativität ganz schön anstrengend sein.
Ich leg mich dann mal wieder ins Bett. Oder bin ich doch so motiviert, dass ich diesen Artikel weiterschreibe? Ja ich bin. Los gehts.
Woher also bloß Kreativität nehmen, wenn keine mehr da ist?
Mit der Kreativität ist es wie mit der Milch aus dem Beutel: Wenn keine Milch mehr rauskommt, ist sie leer. Wie beim Backpulver im Papiertütchen. Benzin im Tank. Okay, okay ich drifte ab. Festzustellen ist: Kreativität kann man sich nicht einfach im Supermarkt kaufen, wenn man gerade unkreativ ist. Eine unkreative, lustlose Phase ist so schlimm wie die Pest: Wenn man nix dagegen macht, wirds immer schlimmer. Sie geht nicht einfach vorbei. Ich wette, es sind schon Leute an Lustlosigkeit gestorben. Mist. Schon wieder die falsche Richtung.
Jetzt also mal meine medizinischen Kompetenzen bei Seite gelassen: Wo kriegt man Kreativität her, wenn man gerade welche braucht und keine hat?
Timo Off hat sich in seinem erstaunlich krativen Werk “Best Off” dazu ausführlich geäußert. Das Buch ist mittlerweile als kostenlose PDF Version erhältlich und schwankt zwischen Poesi, Wortspielereien von einem kreativen Akt zum nächsten. Er verpackt die Kreativitätssuche in dem schönen Wort “Ideenfindung”. Tatsächlich verbirgt sich dahinter wesentlich mehr.
Beruhigend kann er auf den letzten Seiten feststellen, das “die Möglichkeiten kreativen Lebens mit dem Tod enden. Nicht früher.” Na dann machen wir uns doch mal auf die Suche nach dem kreativen Leben: Und dafür möchte ich nochmal auf die Milch aus dem Beutel nebst Backpulver zurückkommen.
Für mich bedeutet kreativ sein, zu backen. Nach Rezept. Ich denke, jeder hat da sein eigenes Rezept, um gedanklich wieder auf die Sprünge zu kommen. Ich zeig’ Euch mal, wie ich das mache:
Der Basisteig
Die Grundlage einer guten Idee sind viele Teilideen in Summe. Beeindruckende und inspirierende Momente, die von aussen aufgesaugt und im Hirn abgespeichert werden. Das bedeutet: Die Umwelt aufmerksam betrachten. Lesen.
Ich habe jeden Tag einen Blick auf meine RSS Feeds. Schnappe manchmal nur Titel auf, lese ganze Artikel. Ich teile mit Euch ;) Die meisten Feeds, Blogs bzw. Sites werdet ihr sicherlich kennen. Die Reihenfolge hat übrigens nichts mit Favoriten oder besonderer Güte zu tun.
- Der Brettspiel-Blog: Ich liebe es, zu spielen, frische Infos gibts hier.
- Mandolux Dual-Screen Backgrounds: Immer wieder neue Wallpaper. Anspruchsvoll.
- Neuerdings, das Gadget Blog: Elektronische Spielsachen für den Herrn von heute.
- Photoshop Disasters: Immer für einen Lacher gut…
- Smashing Magazine: Vielseitige Infos rund ums Web und Gestaltung.
- Francesco Mugnai: Noch mehr Gestaltung
Aber auch Bücher und Zeitschriften sind mir wichtig. Neben dem ganzen digitalen Abklatsch, mit dem ich jeden Tag zu tun habe, freue ich mehr sehr über haptische Erlebnisse wie das Umblättern einer Buchseite aus Papier *freu* Eine kleine Auswahl:
- Wie man im Schach gewinnt: Klingt banal, ist es aber nicht.
- Ben & Jerry’s Homemade Ice Cream: Ein sehr amüsanter Einblick in die Welt des Speiseeises *schmatz* Echt lecker!
- Die Spielbox: Ein Magazin rund um Brett- und Kartenspiele.
- Der Web Design Index: Die besten Webseiten in Druckform
Alles schön verkneten
Jetzt muss der ganze Ideen-Teig im Kopf schön verknetet werden. Ach egal, ob schön oder nicht. Hauptsache es wird. Mürbe wird man am Tagesende sowieso - muss man aktiv kneten?
Ich behaupte: Nein. Das geht gar nicht. Ideenverknetung oder Ideenfindung (wie das die Profis nennen) kann man nicht provozieren. Das passiert lässig nebenbei. Wer es erzwingt, macht eigentlich direkt einen Griff ins Klo. Mann kennt das: Auf der intensiven Suche nach der Frau des Lebens begegnet sie einem einfach ums Verrecken nicht. Aber dann. Ganz plötzlich, unverhofft, einfach so, ist der Partner fürs Leben gefunden. Und man hat gar nicht damit gerechnet.
Faszinierend. Auch lässig sein lässt sich provozieren. Oh Verzeihung: Trainieren natürlich. Manche nennen es Yoga. Andere Muskelrelaxation. Ich nennen es Musik hören, sich an einen belebten Platz setzen und Leute beobachten, ein Getränk ganz bewusst zu trinken, jeden Geschmacksnerv spüren, laangsam eeiin- und aauusaaaaatmen, gaaaaanz ruhig, entspannt…
*schnarch* *schreckauf*
Hui, jetzt war ich von meinem Geschreibe so entspannt, das ich doch glatt eingeschlafen bin. *lach* Aber weiter. Spazieren gehen, die Umwelt beobachten. Nichts machen. Ein Konsolenspiel anfangen und nicht beenden. Einen Blogartikel schreiben, der nie fertig wird.
Ausschlafen. Oh, das Geheimrezept überhaupt. Die ganze Kreativität eines Menschen offenbart sich im Schlaf: Der Körper entspannt sich, Muskeln werden weich, Gedanken werden verarbeitet und einsortiert.
Aber noch mal zurück zum Menschen beobachten - es ist unglaublich witzig und gleichzeitig faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich sich Menschen bewegen. Die Körpersprache: individuell. Der Klamotten-Mix: meist individuell und auch wenn von der Stange - die selbe Klamotte wirkt an jedem Menschen anders.
Ich amüsiere mich gerne über andere Menschen. Obwohl ich weiß, das ich auch ein Freak bin, über den sich andere amüsieren, kann ich dabei herrlich abschalten. Und weil ich mich aufs Beobachten nicht konzentrieren muss, hat mein Gehirn noch genügend Ressourcen, um ein Problem im Hintergrund zu bearbeiten oder einen neuen Zusammenhang plötzlich zu entdecken.
Auch die Natur gibt viel her. Nicht umsonst sind die meisten Erfindungen der Natur oder Lebewesen nachempfunden. Selten sind biologische Mechanismen durch Effizienz zu toppen.
Aber auch bestehende nicht-biologische Mechanismen können inspirieren: Die Hebelwirkung beim Flaschenöffner kann eine spontane Idee liefern. Ein Klappmechanismus an einer Tür ein lange vermisstes Bindeglied sein. Das Ablaufmuster eines Brettspieles die Lösung für ein ganz anderes Problem sein, das man mit sich herumträgt.
Schön ziehen lassen
Viele, die aktiv an einem Problem sitzen, versuchen sich von der Außenwelt zu isolieren, um sich ganz auf ein Problem zu konzentrieren: Treffen mit Freuden? Muss ausfallen. Ein spontanes Bierchen mit dem besten Kumpel? Auf keinen Fall. Ein Kinobesuch mit der Clique? Ne ne.
FALSCH! Ich verspreche Euch: Genau, wenn man das macht, was man eigentlich nicht machen sollte, kommen einem die besten Ideen. Man entspannt sich, lacht und genießt die Möglichkeit einfach mal anderen zuzuhören, statt dauernd in sich hinein.
Nutzt die Möglichkeit, Probleme mit anderen zu diskutieren, die nicht auf dem gleichen fachlichen Level sind und vielleicht gar kein Verständnis für Euer Problem haben. Warum? Klingt sinnlos? Na, ist doch klar: Wenn man sein Problem jemandem schildert, der keine Ahnung vom Thema hat, muss man es fantasievoll formulieren. Vielleicht veranschaulichen, vergleichen. Und schwups! Ist die Lösung da.
Ideen kriegen Kinder! Das einzige, das nicht weniger wird, wenn man es benutzt, ist Wissen. Das gilt es auszunutzen.
Rezeptbuch führen
Schreibe Ideen und Lösungen direkt auf, sonst sind sie weg. Ein Notizbuch im Nachttisch. Ein Moleskine in der Jackentasche. Ein Post-It am Bildschirm. Ein Schmierzettel im Schwimmbad. Alles ist möglich.
Ab in den Ofen
Ausprobieren ist alles. Oft stellt man bei einem Real-World-Versuch fest, das die Lösung nicht funktioniert oder irgendwas zum Finalisieren fehlt. Lass Dich nicht entmutigen! Mach weiter. Verfeinere Deine Idee. Forme Sie aus. Fang vielleicht noch mal von vorne an.
Vielleicht fehlt der Mut, eine waaghalsige Idee auszuprobieren. Aber es ist wie mit dem Mädel, das man nie angesprochen hat: Mein weiß einfach nicht, ob es geklappt hätte.
Außerdem kann ich Dir eines versichern: Fehlschläge sind meist die Grundpfeiler ein super Lösung. Vielleicht unmittelbar im Jetzt, vielleicht braucht die Idee noch einige Zeit zum Reifen und es wird ein paar Jahre später.
Alles ganz easy
Ideenfindung funktioniert von alleine. Das Gehirn braucht Dich dazu eigentlich nicht. Nur Impulse. Und die kannst Du ganz einfach beisteuern.
Lies ein Buch, trink Dein Lieblingsgetränk, lehne Dich zurück und höre für einen Moment mit dem Analysieren auf. Und
z z Z Z A C K K
sie wird Kommen: Die Inspiration. Die Idee, die Lösung.
Ähnliche Artikel:





